05 2009
| Leseprobe DISKUSSION |
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Eine Liste mit Bewertungen der Philosophiezeitschriften sorgt für Ärger |
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Die Internationalisierung hat vor dem Fach Philosophie nicht halt gemacht, ganz im Gegenteil, nicht nur erscheinen immer mehr Beiträge aus in Deutschland erscheinenden Publikationen in englischer Sprache, auch deren Autorinnen und Autoren kommen aus Universitäten aus der ganzen Welt. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an Wissenschaftlichkeit. Und international gesehen steigt die Zahl dieser Zeitschriften immer noch. Um einen Überblick zu schaffen, hat die „European Science Foundation“ die erscheinenden europäischen Philosophiezeitschriften evaluiert und nach Kategorien A, B und C eingeteilt. Die „European Science Foundation“ ist die seit 1974 bestehende Dachorganisation von nationalen Förderungsorganisationen und Forschungseinrichtungen der Europäischen Union und hat das Ziel, die wissenschaftliche Zusammenarbeit in Europa zu stärken. Sie ist eine einflussreiche und finanzstarke Organisation mit großem Einfluss auf Forschungsvorhaben. Ihrer Stimme wird Gehör geschenkt. Das Ergebnis der Evaluation, die „ERIH Initial List: Philosophy (2007)“ wurde im Internet veröffentlicht und findet sich unter www.calculemus.org/LGRstudies/philos.list-07pdf Die Liste wurde in Deutschland zunächst kaum beachtet. Dann hat man sich erst darüber gewundert und dann geärgert. Warum? Nicht nur die „Deutsche Zeitschrift für Philosophie“, die interessanteste unter den deutschen Philosophiezeitschriften, ist in der Kategorie C zu finden, auch die „Allgemeine Zeitschrift für Philosophie“, das „Argument“, die „Deutsche Zeitschrift für Philosophie“, „Dialektik“ (heißt heute „Zeitschrift für Kulturphilosophie“), „Die Philosophin“, die „Fichte-Studien“, die „Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie“, die „Phänomenologischen Forschungen“, die „Philosophische Rundschau“, das „Philosophische Jahrbuch“, die „Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft“, „Zeitschrift für Didaktik der Philosophie“, „Zeitschrift für kritische Theorie“ und „Zeitschrift für philosophische Forschung“; alle diese Zeitschriften werden in der Kategorie C gelistet. Die dafür Verantwortlichen sagen zwar, das beinhalte keine Qualitätsaussage, aber A,B,C ist nun einmal nicht nur eine Buchstabenfolge, sondern auch ein Klassifizierungssystem, und man liest die Kategorisierung so, dass die unter C genannten Zeitschriften alle drittklassig sind. Dabei kommt man aus dem Staunen nicht heraus: „Kriterion“, eine Salzburger analytische Studentenzeitschrift mit geringer Auflage und kleiner Leserschaft, erhält ein B. Ein B erhalten ebenfalls das „Archiv für Begriffsgeschichte“, das „Archiv für Geschichte der Philosophie“, das „Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie“, die „Grazer Philosophischen Studien“ und „Facta Philosophia“. A, Exzellenz, haben lediglich „Erkenntnis“, die „Kant-Studien“ und die „Studia Leibnitiana“ erhalten. „Polylog“, eine der interessantesten philosophischen Zeitschriften mit Autoren von außerhalb des westlichen Kulturkreises, fehlt auf der Liste ganz. „Das Argument“ ist jedoch aufgeführt, obwohl es sich gar nicht um eine eigentliche philosophische Zeitschrift handelt (zwar steht seit Jahrzehnten das Wort „Philosophie“ im Untertitel, aber der dafür vorgesehene Redakteur war damals in die DDR ausgewandert und ist nicht ersetzt worden). Die „Philosophin“, ebenfalls aufgeführt, hat ihr Erscheinen bereits im Jahr 2005 eingestellt, desgleichen „prima philosophia“. Und das Hegel-Jahrbuch ist, wie der Name sagt, keine Zeitschrift, sondern ein Jahrbuch (wovon es etliche weitere gibt, die in der Liste nicht genannt sind). Besonders kundig in der bunten Landschaft zumindest der deutschsprachigen philosophischen Zeitschriften, so der erste Eindruck, scheint der Evaluator jedenfalls nicht zu sein. Offiziell sind nur Zeitschriften aufgenommen, die mit einem „peer-review“-System arbeiten, aber das ist keinesfalls bei allen aufgenommenen Zeitschriften der Fall (und ist auch gar nicht geprüft worden). ... |
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